
Moebius
Möbius entstand ursprünglich als Bühnenbild für das Festival Unlimited im Alten Schlachthof Wels, einem internationalen Festival für experimentelle Musik.
200 x 800 cm, Acryl auf Leinwand, 2024
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Ich entschied mich bewusst für ein großformatiges, fast monochromes Bild. Schwarz, Weiß und Grau statt vordergründiger Farbe. Nicht als Reduktion, sondern als Öffnung. Bei rund dreißig Bands sollte nicht jede in derselben Bildstimmung spielen, obwohl alle auf derselben Bühne standen. Durch Lichtstimmungen, dezente Farbwechsel und Projektionen bekam jede Performance ihren eigenen Raum, ihren eigenen Atem, ihre eigene Spannung. Das Bild blieb dasselbe – und verwandelte sich doch ständig.
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Während des Festivals war es stark zu erleben, wie unterschiedlich Menschen auf das Bild reagierten. Manche sahen Sturm, Gischt und schwere See. Andere erkannten Landschaften, Körper, Masken, Netze oder Himmelsbewegungen. Diese Offenheit ist wesentlich. Möbius zeigt keinen Gegenstand, sondern einen Zustand. Einen inneren und äußeren Moment, in dem Ordnung, Druck, Bewegung und Veränderung gleichzeitig wirksam sind.
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Formal bewegt sich Möbius zwischen gebauter Ordnung und organischer Strömung. Links beginnt etwas, das fast konstruiert wirkt: Stufen, Strahlen, ein rhythmisches Feld. Dann kippt die Bewegung. Weiß bricht auf wie Wasser, wie Segeltuch im Wind, wie ein Moment, in dem Kontrolle nicht mehr ausreicht. Dunkle Bögen, Schleifen und bandartige Formen greifen ineinander, ziehen sich zusammen, lösen sich wieder, bilden einen Loop, der kein Ende kennt. Genau darin liegt der Kern der Arbeit: keine lineare Auflösung, sondern Rückkopplung. Nicht Flucht aus dem Chaos, sondern ein anderer Weg hindurch.
Für mich ist dieses Werk eng mit dem Meer verbunden - nicht als Motiv, sondern als Denkmodell. Wetter, Drift, Reibung, Kurs halten, Kurs ändern. Der Loop hört nicht auf, aber man kann lernen, anders durch ihn hindurchzugehen. Weniger Widerstand. Mehr Richtung. Diese Logik deckt sich sehr klar mit deinem künstlerischen Feld: Elemente, Reibung und Kurswechsel als Methode, nicht als bloße Ästhetik.
Möbius markiert genau diesen Punkt: den Moment, in dem etwas kippt, sich verschlingt, zurückkehrt und gerade dadurch neue Bewegung möglich wird.
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